Eigentlich war schönes Wetter an diesem Morgen angesagt. Ich wollte in Grafrath an der Amper Enten fotografieren und danach zum Jexhof wandern. Als ich in Grafrath aus der S-Bahn stieg, sah ich schon, dass der Himmel grau war. An der Amper angekommen waren dann auch keine Enten da.
Allerdings fand ich andere Motive und beim Bearbeiten der damals gemachten Bilder ist mir etwas aufgefallen, etwas woraus ich jetzt ein Fotoprojekt machen werde, mit dem ich mich in den nächsten Monaten näher beschäftigen möchte.
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Die Struktur der Amperströmung
Als ich an der Amper ankam, sah ich zwar Enten, allerdings hatten die wohl andere Termine und sind mir davongeschwommen. Nach einiger Zeit des Wartens an den Stromschnellen der Amper ist mir das tosende Wasser aufgefallen und ich habe mich gefragt, wie es wäre, die Strömungsstruktur zu fotografieren.
Es war grau und noch relativ dunkel, daher musste ich, um eine kurze Belichtungszeit zu bekommen, die ISO etwas höher drehen. Ich hatte ein wenig Angst, dass das Bild verrauscht ist, aber später beim Bearbeiten habe ich gemerkt, dass das nicht so schlimm ist und das bisschen Rauschen konnte ich gut entfernen.
Je länger ich mich mit der Strömung beschäftigte, desto mehr Spaß machte es mir, auf die kleinen Linien und Strukturen im Wasser zu achten. Mein Frust über die gescheiterte Entenfotografie ließ allmählich nach und ich vertiefte mich in diese Art von Fotografie.
Ich bemerkte gar nicht, dass ein Mann des Weges kam und erst als ein „Guadn Morgn“ erklang, wurde ich aus meinen Gedanken geholt.
Der, der jeden Tag in die Amper springt
Ich erschrak leicht, erwiderte den Gruß und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir, dass er hier in Grafrath aufgewachsen ist und jeden Tag hierher kommt, um egal bei welchem Wetter und wie kalt es ist ein paar Runden zu schwimmen.
Bei unserem Gespräch kamen wir auch auf das Dampfschiff zu sprechen, das früher von Grafrath nach Stegen am Ammersee fuhr. Er zeigte auf eine Stelle weit hinten, kleine Pfahlreste, die unter einem Baum lagen, der schräg über das Wasser ragte.
Das goldene Schilf gab der grauen Morgenstimmung einen warmen Schein und die Spiegelung im Wasser setzte der Szene den Feinschliff. Ich fand nicht nur die Szene schön und beruhigend, sondern sah auch Führungslinien durch den Baum, und die Spiegelung gibt dem Ganzen zusätzliche Tiefe.
Vom Dampfschiff und Kindheitserinnerungen
Von 1880 bis 1939 konnten Ausflügler und Sommerfrischler mit dem Zug aus München nach Grafrath fahren, um dort in ein Dampfschiff zu steigen und über die Amper nach Stegen am Ammersee zu fahren.
Der Mann hat das nicht mehr selbst erlebt, erzählte mir aber, dass er mit seinen Freunden früher als Kind dort gezeltet hat, wo heute auf der anderen Amperseite ein Naturschutzgebiet ist. Den Weg zu diesem Platz gibt es noch, meinte er, allerdings ist er heute etwas verwachsen.
Dankbar für diese Geschichte machte ich ein weiteres Bild, diesmal von dieser Seite, denn die Spiegelung der Bäume erzeugt eine besondere Stimmung.
Zum Schluss ein Schwan
Ich wollte schon meinen Fotorucksack packen und weiter Richtung Jexhof aufbrechen, da flog er plötzlich an mir vorbei, landete auf der Amper und schwamm Richtung Ammersee.
Ich beobachtete ihn, wie er auf dem Wasser auf Höhe eines Baumes glitt, und machte ein Bild, das für mich die Ruhe des Morgens widerspiegelt. Es ist keine Nahaufnahme, kein klassisches Porträt – aber muss es immer so etwas sein?
Ist es nicht auch schön, eine Bildkomposition zu finden, die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zeigt? Ich finde ja, denn sie zeigt die Umgebung, in die der Schwan hineingleitet. Man könnte auch spekulieren, wohin er schwimmt. Schreibt es gern in die Kommentare, was ihr darüber denkt.
Übrigens: Findet ihr nicht auch, dass die Äste der Bäume Linien sind, die in Richtung des Schwans zeigen?
Durch Wald und Nebel
Voll Dankbarkeit über das Gespräch mit dem Mann und darüber, dass sich die Grafrather Tierwelt in Form eines Schwans doch noch gezeigt hat, wanderte ich weiter Richtung Bauernhofmuseum Jexhof. An der Amper fand ich zwar noch einige Motive, diese werde ich mir aber bei anderen Lichtsituationen noch einmal genauer anschauen.
Am Ortsrand von Grafrath kam ich in den Wald und wie immer wurde ich innerlich ruhiger. Ich bemerkte den immer dichter werdenden Nebel und entdeckte eine Lichtung.
In dieser Lichtung stand eine Baumreihe und dahinter ein goldenes Feld. Die Bäume standen im Nebel und es hatte fast etwas Märchenhaftes. Durch den Nebel trat die astlose Struktur der Bäume besonders hervor, und die im Hintergrund verschwindenden Fichten geben dem Ganzen eine schöne Linie.
Aststruktur in Schwarz Weiß
Wenn ich im Nebel fotografiere, finde ich, dass sich die Bilder auch in Schwarz Weiß besonders gut machen. Das Bild fasziniert mich persönlich immer noch genauso wie im Moment der Aufnahme.
Ich liebe Kontraste, und das Bild zeigt für mich den Kontrast zwischen laubfreien Bäumen und Nadelbäumen. Wie sieht es dort wohl im Sommer aus? Wahrscheinlich ganz anders. Deshalb besuche ich die Orte rund um München auch mehrfach zum Fotografieren – bei jeder Lichtstimmung, Tages- und Jahreszeit sieht alles anders aus.
Diese Gedanken hatte ich während des Fotografierens an diesem schönen Ort und hätte dabei fast meine Verabredung am Jexhof vergessen.
Torbögen im Obstgarten
Am Jexhof angekommen und nach einer kleinen Geocaching-Runde mit einem Freund und seiner Tochter habe ich noch etwas im Obstgarten des Jexhofs fotografiert.
Mir ist aufgefallen, dass die markanten Stämme der Obstbäume und ihre auseinanderführenden Äste wie Torbögen wirken, durch die man hindurchlaufen kann. Der neblige Hintergrund lässt mich rätseln, was hinter diesen Torbögen liegt. Natürlich Wald, aber es hat trotzdem etwas von Märchenstimmung.
Meine Learnings und weitere Ideen
Nachdem ich die Bilder gemacht habe, habe ich mir ein neues Fotoprojekt überlegt. In den nächsten Monaten möchte ich mich mehr mit Linienführung, Struktur und Formen beschäftigen.
Beim Bearbeiten der Bilder für diesen und die zwei nächsten Beiträge ist mir aufgefallen, dass ich mich bereits unbewusst mit diesem Thema beschäftige. Linien müssen dabei nicht immer ein Weg oder eine Straße sein, und sie müssen auch nicht immer zu etwas führen.
Hier auf dem Blog möchte ich euch herzlich einladen, mich auf dieser Reise zu begleiten.
Unter anderem hat mir diese Fototour gezeigt, dass man nicht aufgeben darf, wenn etwas nicht klappt. Ich konnte diesmal keine Enten fotografieren, dafür habe ich andere schöne Bilder gemacht, die mich auf die Idee dieses Projekts gebracht haben.
Übrigens konnte ich am nächsten Tag dann doch noch Enten samt ihrer Wasserlinien fotografieren, ja sogar eine Schnecke und Grashalme mit Regentropfen. Darüber schreibe ich im nächsten Beitrag in 14 Tagen.
Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Zeit!
Euer Martin
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