Nach zwei Fotowanderungen bei schlechtem Wetter gibt es diesmal Bilder, die bei Sonnenschein entstanden sind. Die Aufnahmen stammen von zwei Wanderungen in den Wäldern meiner Kindheit. Zwar bin ich nicht mehr oft in der Gegend, aber es zieht mich immer wieder dorthin zurück. Viele Wege und Orte kenne ich seit meiner Kindheit und trotzdem entdecke ich dort fotografisch immer wieder etwas Neues.
In der goldenen Stunde zum Müllner Bründl
Eines Morgens ging es mit dem Bus nach Kaltenbach. Kaltenbach ist ein kleiner Ort zwischen der Gemeinde Buch am Buchrain und Isen im Landkreis Erding und besteht gerade einmal aus drei Häusern. Zwar gibt es dort eine Bushaltestelle, aber die Busfahrer sind nicht unbedingt daran gewöhnt, dass dort jemand aussteigen möchte. Deshalb musste ich recht deutlich Bescheid geben, damit der Bus auch wirklich anhält.
Von dort aus führte die Wanderung über das Müllner Bründl zurück nach Burgrain. Die goldene Stunde hatte gerade begonnen und schon nach kurzer Zeit zeigte sich das erste Motiv. Zwischen den Fichten fiel das Sonnenlicht auf den moosbedeckten Waldboden und wirkte fast wie ein Scheinwerfer. Solche Lichtstimmungen sind oft nur für wenige Minuten zu sehen und genau das macht sie so besonders.
Goldener moosiger Ast
Auf dem weiteren Weg zum Müllner Bründl fiel mir ein noch blätterloser Baum auf, hinter dem eine Tanne stand. Das warme Licht der Morgensonne verlieh der Szene eine beinahe märchenhafte Stimmung.
Durch einen Tannenzweig hindurch fotografiert, entstand ein Bild, das mich sofort angesprochen hat. Der knorrige, von Moos bedeckte Ast wirkt fast wie ein kleiner Waldgeist. Der unscharfe Tannenzweig im Vordergrund bildet dabei einen goldenen Rahmen und lenkt den Blick genau dorthin, wo er hinfallen soll.
Weiter zum Müllner Bründl
Auch die ersten Bilder dieser Wanderung haben etwas Mystisches und irgendwie passt das gut zur Sage vom Müllner Bründl.
Unterwegs sind mir noch einige Motive aufgefallen, die ich mir für andere Jahreszeiten oder Lichtstimmungen gemerkt habe. Das gehört für mich ebenfalls zur Fotografie. Nicht jedes Motiv muss sofort fotografiert werden. Manchmal reicht es, sich einen Ort zu merken und später wiederzukommen.
Besonders ein kleiner Bachlauf blieb mir im Gedächtnis. An diesem Morgen fehlte dort noch das passende Licht. Mit leuchtendem Herbstlaub könnte daraus aber einmal ein sehr schönes Bild werden.
Das Müllner Bründl
Im Dezember 1800 tobte in dieser Gegend die Schlacht von Hohenlinden. Ein berittener Soldat der österreichisch bayerischen Truppen, die den napoleonischen Truppen unterlegen waren, verirrte sich auf der Flucht im Wald und drohte in einem sumpfigen Gebiet zu versinken.
Verzweifelt rief er um Hilfe. Wie durch ein Wunder gelang es ihm jedoch, sich aus dem Morast zu befreien. An der Stelle, an der er versunken wäre, soll eine Quelle entsprungen sein.
Später ließ sich der Reiter in der Ortschaft Mülln nieder und errichtete dort einen Brunnen. Daher stammt der Name Müllner Bründl.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde zusätzlich eine Kapelle errichtet. Das Wasser der Quelle gilt bis heute als wohltuend für Körper, Geist und Seele.
Zwischen hohen Bäumen gelegen und von zahlreichen Wanderwegen umgeben, ist das Müllner Bründl heute ein beliebtes Ausflugsziel. Wer dort eine Pause einlegt, kann die besondere Atmosphäre des Ortes noch immer spüren.
Ein Meer aus Wiesenschaumkraut
Am Tag nach der Wanderung zum Müllner Bründl ging es noch einmal in den Wald bei Burgrain. Dort erstreckte sich plötzlich ein ganzes Meer aus Wiesenschaumkraut und schnell war klar, dass das Makroobjektiv zum Einsatz kommen würde.
Besonders gefallen mir die lilafarbenen Linien in den Blüten des oberen Bildes. Oft sind es gerade solche kleinen Details, die man erst beim genaueren Hinsehen entdeckt.
Beim unteren Bild stand die Bildgestaltung stärker im Vordergrund. Ein Tannenzweig im Vordergrund trifft auf das Wiesenschaumkraut als Hauptmotiv. Für mich wirkt es fast so, als würden sich beide ein Blatt teilen oder als würden die Blätter die Blüten zusammenhalten.
Das weiße Bokeh im Hintergrund besteht ebenfalls aus Wiesenschaumkraut und bildet eine Art Rahmen um das Hauptmotiv.
Zum Schluss ein Schloss
Mit diesem Schloss verbinde ich viele Erinnerungen, schließlich bin ich in seiner Nähe aufgewachsen. Schon länger wollte ich es einmal etwas anders fotografieren.
Die Blätter im Vordergrund bilden einen natürlichen Rahmen und geben dem Bild mehr Tiefe. In der Bearbeitung habe ich den Bildausschnitt etwas enger gewählt, weil mir der wolkenlose Himmel nicht besonders gefallen hat. Ganz zufrieden bin ich mit dem Ergebnis zwar noch nicht, aber manchmal gehört auch das dazu.
Für mich steht dieses Bild außerdem für einen kleinen Übergang. Die letzten Beiträge waren stark von Naturmotiven geprägt. Mit den kommenden Bildern geht es nun mehr in Richtung Stadtfotografie.
Zwar hat Burgrain mit Augsburg eigentlich nichts zu tun. Historisch betrachtet hätte der nächste Beitrag eher nach Freising führen müssen. Schließlich gehörten das Schloss und die Herrschaft Burgrain über viele Jahrhunderte zum Hochstift Freising. Nach der Säkularisation im Jahr 1803 wurde das Schloss unter anderem als Brauerei und Blindenheim genutzt. Seit 1919 befindet es sich im Besitz einer Familie.
Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen. Im nächsten Beitrag geht es nach Augsburg, wo ich bewusster auf Linien, Strukturen und Formen geachtet habe.
Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Zeit!
Euer Martin
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Kommentare
Hi Martin
,
Die Aufnahmen sind sehr schön
Respekt weiter so 👌