Goldenes Augsburg

Veröffentlicht am 21. Juni 2026 um 18:00

Wer eine Großstadt fast menschenleer fotografieren möchte, ist gut beraten, an einem Sonn oder Feiertag möglichst früh aufzustehen. Am 1. Mai fuhr ich mit dem ersten Regionalzug von Pasing nach Augsburg und konnte so bereits um 6:15 Uhr eine richtig schöne Fototour starten. Um diese Tour drehen sich der heutige und die nächsten zwei Beiträge.

Heute geht es um die goldene Stunde in Augsburg und darum, was sich dabei alles entdecken ließ.

Die Taube vom Königsplatz

Am Königsplatz angekommen, fielen mir zunächst einige Tauben auf. Eigentlich wollte ich mein Objektiv wechseln, allerdings wurden die Vögel von einem Passanten vertrieben.

Dadurch rückte eher ein Bildaufbau mit dem Weitwinkelobjektiv in den Fokus. Vom Königsplatz führt die Tramlinie Richtung Moritzplatz und an diesem Morgen herrschte eine schöne Gegenlichtsituation. Ziel war es, einen Blendenstern zu erzeugen, deshalb wurde die Blende auf 16 geschlossen.

Als ich in die Knie ging, entdeckte ich eine Taube, die am Straßenrand nach Futter suchte. Im entscheidenden Moment fuhr dann noch ein Fahrradfahrer durch das Bild. So kamen gleich zwei kleine i Tüpfelchen zusammen. Durch das Gegenlicht erscheinen beide nur als Silhouetten und schon war das erste Bild im Kasten.

Augsburger Linien

Wie bereits in den vorherigen Beiträgen angekündigt, beschäftige ich mich momentan bewusst mit Linienführung, Strukturen und Formen. In Augsburg habe ich darauf besonders geachtet.

Das zweite Bild entstand aus einer anderen Perspektive als das Bild mit der Taube. Das goldene Grün der Bäume verläuft nahezu parallel zu den Häusern und bildet dadurch eine starke Linie. Dazu kommen die Schatten eines Mastes und eines Verkehrsschildes, die dem Bild zusätzliche Struktur verleihen.

Außerdem befinden sich zwei Personensilhouetten im Bild, deren Schatten wie Linien auf sie selbst zurückweisen. Solche Details fallen oft erst beim genaueren Hinsehen auf.

Unter der Schranne

Am Moritzplatz entstand die nächste Bildidee. Durch die Bögen der Haltestelle fotografierte ich die Bürgerhäuser, die den Platz prägen.

Beim zweiten Bild wollte ich bewusst mehr von dem Lichtfleck einfangen. Auch dieser wirkt wie eine Linie und verleiht dem Bild eine besondere Stimmung. Oft sind es gerade solche Kleinigkeiten, die eine Aufnahme interessanter machen.

Geschichte der Schranne

Am Moritzplatz befindet sich eine größere Wartehalle, an der ich sehr gerne fotografiere. Normalerweise warten dort viele Menschen auf die nächste Tram oder den nächsten Bus. Direkt daneben steht außerdem die sehenswerte Kirche St. Moritz.

An dieser Stelle befand sich einst die Kornschranne. Dort wurde früher Getreide gelagert und gehandelt. Später nutzte die Feuerwehr das Gebäude zum Unterstellen ihrer Fahrzeuge.

Wegen einer Änderung der Straßenführung wurde die Schranne im Jahr 1906 abgerissen. Als die Fußgängerzone entstand, wollte die Stadt das Gebäude wieder aufbauen. Das Vorhaben war jedoch umstritten. Trotz zahlreicher Einwände wurde 1980 schließlich eine neue Schranne errichtet.

Für eine normale Haltestelle war das ein beachtlicher Aufwand. Die Kosten beliefen sich damals auf rund 900.000 DM.

Viele Augsburger sagen bis heute: „Wir treffen uns bei der Schranne.“

Falls ihr euch also einmal mit jemandem in Augsburg verabredet, kennt ihr jetzt einen klassischen Treffpunkt.

Auf dem Weg Richtung St. Ulrich und Afra

Vom Moritzplatz aus kann man in zwei Richtungen weitergehen. Entweder zum Rathaus oder über den Herkulesbrunnen hinunter zur Kirche St. Ulrich und Afra.

Auf dem oberen Bild habe ich zurück Richtung Moritzplatz fotografiert. Dabei war mir wichtig, den Schatten als führende Linie einzusetzen. Wo die Person wohl gerade unterwegs ist?

Das untere Bild zeigt ein Detail des Herkulesbrunnens. Es rahmt den Turm von St. Ulrich und Afra ein und lenkt den Blick genau dorthin.

Diese Kirche hat übrigens eine Besonderheit. Genau genommen handelt es sich um zwei Kirchen, eine katholische und eine evangelische.

Der evangelische und katholische Ulrich

Augsburg hat einige Besonderheiten. Dazu zählen für mich die Fuggerei und das Augsburger Hohe Friedensfest, das es nur hier gibt.

Auch St. Ulrich und Afra ist etwas Besonderes. Nirgendwo sonst liegen die evangelische und die katholische Kirche so eng beieinander wie hier. Tatsächlich trennt beide lediglich eine Wand.

Ursprünglich gehörten beide Bereiche zu einem gemeinsamen Gebäudekomplex. Im Jahr 1526 wurde der kleinere Teil evangelisch. Diese Regelung wurde später im Westfälischen Frieden von 1648 bestätigt.

Beide Kirchen sind dem heiligen Ulrich gewidmet, der einst Bischof von Augsburg war. Die katholische Kirche trägt zusätzlich den Namen der Märtyrerin Afra.

Das Tor zum nächsten Teil

Unweit der beiden Kirchen befindet sich das Rote Tor. Durch diesen Durchgang gelangt man in einen Park, der sich entlang der historischen Stadtmauer von Augsburg erstreckt.

Übrigens befindet sich dort auch die berühmte Augsburger Puppenkiste. Neben den Aufführungen gibt es dort auch ein Museum.

Ganz bewusst habe ich diesen Durchgang als letztes Bild ausgewählt. Für mich symbolisiert er den Übergang von der Stadt in den Park und zeigt, wie nah sich Stadt und Natur oft sind.

Mehr dazu gibt es im nächsten Teil.

Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Zeit!

Euer Martin

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